Rabenschwester

Leseprobe aus Bd. 1 – SdSiL

 

Anruf von Harald Trinkhans

Michalski aber war aufgestanden, er hatte den Küchenstuhl – im Moment, ganz ordentlich wieder unter den Tisch geschoben und geradegerückt, als er im Garten eine Bewegung zu erhaschen vermeinte. Blitzschnell war er an der Gardine.

Dann sah er auch schon das, was sich da gerade eben bewegt hatte und sein Mund wollte sich vor lauter Staunen nicht mehr schließen lassen. Boris Michalski hatte einen übergroßen, niemals vorher in der Gestalt gesehenen, schwarzweißen ‚Reiher Vogel‘, in der großen, sehr hohen Fichte seines Gartens gesehen? Das gibt es doch nicht? Hatte er vollkommen fassungslos begeistert gemurmelt, der ist so schön, den muß ich unbedingt photographieren, wie ist solch ein Wunder denn nur möglich? -hier gibt es doch weit und breit keinen Zoo und auch keine Freigehege? Überaus behende lief dieser Boris nun aus der Küche durchs Wohnzimmer in den Flur, eilig rannte er die Stufen der Holztreppe hinauf, und in sein kleines Privatbüro stürzte er geradezu vehement stürmisch hinein, da gab es überraschend zum zweiten Mal ein nicht erwartetes Ereignis: Das ewige Telefon läutete. Erschrocken wollte der Dichter Michalski zunächst nicht abnehmen, er suchte doch den Fotoapparat, das Läuten des Telefons jedoch, es wirkte seltsam aufdringlich, hart fordernd, duldete eigentlich keinen Widerspruch, unwillig dachte er noch, ja ja – so etwas gibt’s, dann nahm er den Hörer ab: Michalski hier; hörte er sich heiser sagen, was ist los, zu wem wollen sie? – Trinkhans, mein Guter, Harald Trinkhans hier, wie geht es ihnen denn so, haben sie etwa vergessen, daß sie mich heute anrufen wollten? – Ach sie sind es, Herr General; sagte Boris, entschuldigen sie bitte, ich habe sie natürlich nicht vergessen, seit 08:00 h versuche ich sie zu erreichen, bei ihnen hebt aber kein Mensch ab. Gerade im Moment wollte ich es noch einmal versuchen! – Ach wissen sie – lieber Boris Michalski, das ist so eine Sache mit meinem Telefon, da gibt es eine technische Finesse, sie reagiert auf Impulse und ihre Anrufe hatten nicht die richtige Länge, darum stellt mein Zusatzgerät nicht durch, ihre Leitung wird überwacht! – Das ist mir klar, das weiß ich, aber auch ich habe, wie sie wissen ein Zusatzgerät wie sie, sollte ich denn vergessen haben es einzuschalten? -Nein, nein; sagte er nach kurzem Schauen und Prüfen, da ist alles in bester Ordnung, mein Gerät signalisiert Funktion und Sauberkeit! – Das, lieber Boris, ist doch sonnenklar, ich rufe an, und ich setze mit meiner Anlage ihr gutes Gerät in sicheren Betrieb, dadurch verhindere ich, daß sie selbst über schwierige Nebenleitungen respektive und/oder regelbaren Strom- b. z. w. Spannungsverlusten, kriechströmeähnlich zumal, abgehört werden können. Sie dürften im Moment völlig sicher sein! – Danke ja; sagte Boris, sie haben recht, ich dachte lediglich nicht daran, nun gut; schmunzelte er, dann sind wir ja doch noch im Gespräch! – Ja; sagte General Trinkhans, es ist auch wirklich wichtig genug. Mein Vetter, werter Herr Michalski, ist wie sie wissen, heimlicher Patentnehmer einer Erfindung die ich gemacht habe, mein Vetter väterlicherseits trägt den selben Namen den ich trage, wir gleichen uns bis aufs ‚I-Tüpfelchen‘, der Zufall hatte uns zur gleichen Zeit geboren, unsere jeweiligen Mütter lagen in Köln im gleichen Zimmer des gleichen Krankenhauses, mein unternehmerischer Verwandter wurde 10 Minuten später bloß geboren als ich. Sie wissen das aber alles – nicht? – Ja! Sagte Michalski kurz, er wußte genau was nun noch kam, General Trinkhans war sehr stolz, er war das auch auf seine Familie. Sein Vetter, der Verwandte väterlicherseits also, er hatte einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der sicheren Verwahrung von beachtlichen Erfindungen und Patenten, die der General gemacht hat …? Nun ist aber ein Fall eingetreten; hörte Boris den General erneut anheben, der höchstwahrscheinlich mein geheimes, auch militärisches Globalgerät fordern wird. Da ist möglicherweise eine harte Situation in der Luft, die sich bald schon herablassen wird, um mich und mein Globalgerät in verbotene Zustände zu versetzen, können sie mir folgen …? Ja! Sagte Michalski noch einmal, dann hörte er dem General schweigend zu …

Jo’s Gedanken leben

Barbi sollte also von diversen, von ihm zu gestaltenden Abläufen, aus seinen, ihm von Boris Michalski erteilten Omaninstruktionen nichts wissen: Von Abläufen, die teilweise auch wegen seiner beständigen Nähe, zu Boris Michalski, und nicht einmal letztlich, hierdurch bedingt, dann auch zu den U. S. A. in ihrer freiheitlich ewig gleichen und auch grundsätzlichen Basis, perfekt vortrainiert waren.

Deren nachgerade ‚aktuelle Spezifik‘ er nun jedoch heimlich, auf dem Flur bei und mit Michalski, während der ihm gleichzeitig entsprechende Notizen aushändigte, kurz besprochen hatte.

Barbi sollte ruhig, wenn die speziell abgesprochenen ‚Exkursionen und Verhalten‘ anstanden, gelassen und gemäßigt reagieren.

Sollte ihn, Josef, auf den, ihr zugedachten Ausflügen nicht mitnehmen.

Sie mußte ihn zurücklassen. Dann nämlich, nur dann, wäre für ihn Zeit gewesen, ’seine‘ vorgeplanten Abstecher, unerkannt auszuführen.

Sie sollte allerdings von sich aus ablehnen ihn mitzunehmen: Muß ich; fragte Jo sie einmal wie als fiele es ihm schwer, bei deinen beruflichen Reisen nach Saudi Arabien dabei sein oder wirst du auf mich als Berichterstatter verzichten, wirst du die mühselige Arbeit der Interviews mit dem ‚König Fahd-Palast‘, ganz alleine tragen wollen?

Ja, er war klug, denn sogestalt fragend, so hatte er es ungefähr verstanden, ihr – ohne, daß es ihr bewußt wurde, ein, den ewigen Konjunktiv doch ausschließendes und ablehnendes „Negativum“ geschickt zumal, zu suggerieren. Barbi glaubte dann auch sehr schnell es käme diese, ihre nun aufgezogene und ihn ablehnende Attitüde, hauptsächlich nur darum zustande, weil sie bezüglich Josefs Qualitäten, als Reiseberichterstatter, stolz, sehr eitel und argwöhnisch war. Da kam also Ablehnung aus ihrem tiefsten Innern. Ja sie glaubte bald, es käme dieses Sentiment dort, von ihrem versteckten Stolz, und von ihrer durch und durch emanzipierten Unabhängigkeit. Ganz vergnügt eigentlich, lächelte Jupp sich nun parallel, zu seinen chronologen Gedanken – zurück, er wußte nun wieder, was trotz alldem wirklich geschehen war.

Er lächelte sich also zurück, zurück in merkwürdig heimische, Würselener Zeiten.

Sie aber, sie hatte ihn nicht nur für Saudi Arabien – als Begleiter zumal, abgelehnt. Das, obwohl in S. A. – die Frauen, überhaupt keine Rechte haben, Barbi war also heimlich gefährdet. Sie war zudem auch noch als Mann avisiert, da gab es ein sehr geheimes Einvernehmen, das hohe Risiko aber, doch erkannt zu werden, das mußte sie ganz alleine tragen …?

Da war aber noch etwas Besonderes, eine winzige Kleinigkeit vielleicht nur, sie war dennoch wichtig genug. Davon war er überzeugt. Eine Besonderheit war da demnach jetzt noch resümeefähig.

Eine Besonderheit die er selbst jedoch schon vor ihrer Ankunft in Oman gewußt hatte.

Jo konnte einen Hubschrauber fliegen, das war sowieso klar, das hatte Michalski gewußt.

Er hatte jedoch bei dem alten John Bull/Mill noch mehr gelernt, noch viel mehr.

Mehr ganz sicher auch als lediglich bloßes Hubschrauberfliegen; warm und heiter bis freundlich wurde darum nun sein gutes, männlich feines Gesicht. Ja; wiederholte er sich in Gedanken, ich hatte gewußt, daß der kleine, fernmündlich und per telegrafischer, vertraglicher Abmachung, für die Zeit unseres, zeitlich zumal unbestimmten Aufenthaltes, dort im Krieg, von Boris Michalski für uns, gemietete Helikopter, immer und zu jeder Zeit, für uns beide oder nur für mich alleine bereit stehen würde. Ob da und dort mit oder ohne Piloten? -na, das hatten wir eigentlich zu entscheiden. Einige Male ging das auch ganz gut, es gab aber bezüglich des Piloten und seiner Führung, auch – die, ihm Josef Weiß, unangenehm unbekannte und gezielte Fremdeinwirkung.

Den BO 105 jedenfalls habe ich so sehr intensiv ge- und benutzt wie ganz selten etwas situationenvergleichbares anderes. Die arabischen Zahlen schließlich; grinste Jo, über Temperatur und sonstige klimatische Verhältnisse, sie dienten mir zum Berechnen von geheimen Koordinaten, in ihnen habe ich codiert einen Ort versteckt, der zu einem lebenswichtigen Treffpunkt für unsere Mission geworden ist. Josef lächelte nun wie diabolisch, diese Celsius- und Feuchtigkeitszahlen, sie verbargen also, selbst – codierte, diverse vermessungstechnische Koordinaten gewisser Orte. Auch von Orten um das nur bildliche Oman herum.

Jo’s Stirne zog leichte sinnierend wirkende Falten, Orte zum Beispiel auch; dachte er ernst, die sie beide, Barbara und ihn selbst, in die Wüste respektive nicht nur zu Füßen des großen „Al Hajar“ Gebirges geführt oder gelockt hatten. Dort in den schier heiligen Bergen, in dieser mächtigen Bergkette, dort ist es dann auch schon recht bald nach ihrem klugen Eintreffen in Oman, an bewußten, versteckten und heimlichen Orten zumal, zu zwei Begegnungen gekommen, die von Michalski und von OL Stiller, jenem seriösen deutschen Grenzwächter, privat und geheim geplant worden waren, und von welchen nun doch auch Barbi wußte. Sie wußte ja, daß er vor Jahren schon, für seinen eigentlichen Arbeitgeber, für den soliden Bauunternehmer Friedel Brandt aus Aachen nämlich, in Saudi Arabien gewesen ist. Daß er dort überzeugt hat, daß er dort gearbeitet hat wie ein Senior und daß er in diesem Zusammenhang auch hier in Oman tätig gewesen ist, und zwar durch das Gebirge hindurch und Berggefälle für seine Pipelines nutzend, teilweise auch übers Gebirge. Dabei hatte er damals schon, für ihre Arbeit heute, angenehme Entdeckungen gemacht, die auch dem Dichter und Journalisten Boris Michalski und dem Terrorbekämpfungsoffizier Hartmut Stiller bekannt gewesen sind. Josef lächelte irgendwie; weiß der Kuckuck warum, enttäuscht. Er sah sich um in der Abflughalle, bewegte den Kopf, niemand jedoch nahm hier aktuell in Tunis, irgendeine Notiz von ihm.

Auch die dunkelhaarige Portugiesin sah ihn nicht an, sie sah aus als suche sie ein imaginäres Ziel zu erreichen?

Enttäuscht und frustriert war er, weil seine Antworten, auf die Problemfragen der beiden tapferen Männer, wegen deren Verantwortungsbereitschaft, unerquicklich sein mußten. Die Wahrheit also war es, die ihn enttäuscht ausschauen ließ, sie – schied eventuelle Freude: Da war ein deutscher ‚Kampf-Offizier‘ in Oman im Einsatz, und mit ihm waren noch neun weitere Männer aus Germany dabei.

Unterführer allesamt, geheim zudem und als Gäste.

Als Gäste der zunächst operativ und später auch praktisch fungierenden Amerikaner.

Sie waren allerdings, nach allem was ihm letztendlich doch wohl richtig bekannt war; wie er erhoffte, in heimlichen Natowünschen und unter dem Aspekt der Förderung der neuen deutschen Kräfte, sie natonutzbar zu machen, dort, allesamt, Gäste – Amerikas. Da war offenbar ein strategisches Ziel führender Köpfe der Allianz aufgegangen. Dennoch mußten Wicho Dreher und Peter Wagner-Braun, die ihn und schließlich doch auch Barbara bei diesem „Al-Hajar Einsatz“ getroffen hatten, beständig so tun, als wäre all das was sie in Oman taten, ihre private Initiative bloß. Sie mußten so tun, als seien sie Touristen. Als seien sie die privaten Gäste eines amerikanischen Oberbefehlshabers. Und sollte etwas schief gehen, bei diesem Unterfangen, dann gäbe es, um sie zu behüten, höchstwahrscheinlich keine Natoverantwortlichen, deren strategische Ziele zudem auf- und untergegangen waren, nein, es gäbe dann lediglich bloß, die, von jenem OL Hartmut Stiller empfohlene, jedoch private Vermessenheit von ’10 Möchtegerns‘, die nun eigentlich auch folgerichtig, auszulöffeln hatten respektive es auslöffeln mußten, das, was sie sich da eingebrockt hatten oder ‚eventuell‘ hätten. Schon bald also nach ihrem Eintreffen in der Krise Omans, sind sie mit dem BO 105, jenem bekannten und mittlerweile sogar schon legendären „Eurocopter“, zu zwei heimlichen Treffen in den Bergen aufgebrochen. Zu Treffen die zwischen ihnen und den beiden deutschen Grenzern, die außerdem wirklich seltsame Soldatenverträge in den Taschen hatten, stattgefunden haben.

Ja, doch; murmelte er zerknirscht, sie sind tatsächlich gemeinsam aufgebrochen; müde grinste Jo nun, ihm war die Gefahr noch bewußt, zu Treffen zumal sind sie geflogen, die zwischen ihnen und jenen Männern, die bei den kämpfenden Amerikanern, sozusagen hospitierend kämpfende Kollegen waren, stattgefunden hatten, und die es an gefährlicher, heimlicher Brisanz nicht mangeln ließen.

Josef war trotz der merkwürdig schalen, irgendwie pelzigen Zunge, dennoch recht zufrieden nun, seine Gefühle aus diesem Zwischenresümee sagten ihm nämlich, daß er jetzt doch ganz gut lag. Da waren zwei wichtige Treffen zustande gekommen; überlegte er, dort – in jenen dunklen Bergen, die nur darum relativ glücklich enden konnten, weil er altes, eigenes, festgeschriebenes Basismaterial für Geheimcodes, kopiert hatte, nur jedoch um es aktuell mit Omaninformationen umzugestalten. Ihm war deutlich klar, daß dort Treffen stattgefunden haben, die eigentlich nur für ihn bestimmt gewesen sind; so flackerte er jetzt ein bißchen, Informationen nämlich hat er dabei bekommen, die wirklich nur für ihn und für seine geheime Suchfunktion gegen Sir John Bradbury von Wert sein konnten.

Ja; dachte er drittpersonig und schier heiß geworden, Barbi und er, sie sind demnach zu Treffen geflogen, die mit zwei deutschen Männern stattgefunden hatten, die eigentlich nur, in geheimer und kämpfender Kommandosache – für die U. S. A., gegen Terroristen und Gesindel, in Oman unterwegs waren.

Barbi jedenfalls wußte nur das, vielleicht; dachte Jo erschreckt, wußte sie diesen seltsamen deutschen Gastzustand auch bloß scheinbar? Ja, er war ein wenig in Not; überlegte noch einmal, nein; lächelte er dann jedoch bald, sie glaubte an harte westliche, strategische und taktische, neumilitärische Natovarianten, in welchen Deutschland, zu eigentlich verbotenen militärischen Aktionen verleitet werden sollte, und zwar um militärisch weltweit erneut hoffähig gemacht werden zu können. Die U. S. A.  wollten nicht immer alle Last alleine nur tragen. Barbi wollte; glaubte Jo, lediglich wißbegierig erfahren, was in der Hinterhand gelegen war.

Was in und um Oman, hinter den militärischen Kulissen gespielt wurde, sie hatte nicht bemerkt, daß diese Männer hauptsächlich wegen ihm, Jo – und John Bradbury dort waren, hatte nicht bemerkt, daß er und Wagner-Braun sich doch schon vorher gekannt haben mußten, hatte nicht bemerkt, daß sie darum heimlich die Köpfe zusammengesteckt haben, hatte nicht gesehen; davon war Jo überzeugt, daß sie miteinander geflüstert hatten, nicht mitbekommen, daß er nun den Weg zum Tempel hatte, zu jenem Tempel, nach dem ihm dürstete wie nach nichts anderem. Weiß würgte den Hustenreiz der ihn plötzlich befallen hatte ab, sah seine Nachbarin an, sah sie mit ihrer Handtasche fummeln, sah daß sie Sorgen hatte, krampfhaft beinahe hielt sie sie fest, verwies ihn geradezu deutlich, hatte dabei tiefernste Augen. Josef wußte genau, ganz ähnlich war er selbst, jetzt im Moment. Ja, genauso war er selbst, jetzt, ganz bestimmt auch zu sehen. Er – und sein Charakter, er, und seine spezifischen Fähigkeiten, Fähigkeiten …? -dachte er noch einmal …(.).

Dann wandte er sich aber auch schon wieder, wenn auch seltsam berührt, von der Frau ab.

Josef Weiß; dachte er launig, Architekt, Fotograf und Skulpturist, trickreich war er imstande, äußerst intelligent zu agieren und intellektuell intelligent beinahe jeden auf Erden zu täuschen, aber er war dennoch eine absolut ehrliche Haut, das hatte Probleme, die waren ihm nicht egal, jedoch was sein muß muß sein; dachte er noch einmal „in dieser, wegen der Portugiesin eigentlich doch ‚untrauten‘ Bankzeit“, und schon war er bald wieder halbwegs gut:

Die von ihm selbst codierten Koordinaten aber; sogestalt sinnierte er sein Problem dann weiter, sie führten ihn nicht präzise, zu den, von den beiden Deutschen, decodierten Orten des Gebirges, führten ihn nicht zu den realen und direkten Koordinaten der Treffpunkte, nein nein, er war viel klüger, sie führten ihn, und Barbi war nun doch, stets sogar, in seinem Schlepp; was sie ein wenig wurmte, schließlich und endlich führten sie ihn aber; lächelte er seine Zerstreutheit weg, an den funktechnisch offen verabredeten Ort, um dann aber schnell, ganze 110 km weiter als offen und über Funk für schier jedermann vernehmbar vereinbart, die geheimen Koordinaten aufzusuchen. Weiter entfernt also, als ein eventueller Beobachter fest glauben mußte, 110 km sogar – weiter entfernt, weiter weg von der Stelle, ihres funktechnisch mit den Gastkämpfern vereinbarten Standortes, für das gemeinsame Treffen. Der Sinn dieser „Umlenkaktion“ war eigentlich ganz einfach, die Amerikaner, die möglicherweise mitbekommen konnten, was sie beide, und was die deutschen „Gast-Soldaten“ – zu tun beabsichtigten, die darum natürlich dagegen gewesen wären, sie konnten doch kein Unterlaufen der eigenen Disziplin und Kommandogewalt dulden. Klar war das, und einfach. Sie waren jedoch – trotz allem, mit diesem „Weiß’schen Großtrick, absolut gültig ausgeschaltet. Grund für ihre völlig „ahnungslose Teilnahmslosigkeit“ war dann also sein „Architekten-Trick“:

Sie konnten den hochanständigen, ewigen deutschen Begriff, Höhlenhaus zwar erkennen, nicht jedoch waren sie imstande zu erkennen, daß der Begriff, wenn man ihn nicht als Substantiv geschrieben hatte(;), sondern nur als ein Gebilde welches in sich auszusagen hatte, daß da ein kleines höhlenhaus nur gemeint sein kann, daß dann ‚kein‘ orthographischer Fehler vorlag, das, obwohl einer vorlag.

Wenn man also im geheimen Einverständnis den Begriff entgegen der orthographischen Regel der deutschen Sprache verwenden wollte, mußte es einen anderen Codeschlüssel für den vordersten Buchstaben geben, d. h. dann, ‚H‘ ist niemals gleich ‚h‘. Der Schlüssel für ein großes ‚H‘ war also anders als der Schlüssel für ein kleines ‚h‘. Da waren schließlich demnach dann auch in und um diesen Code oder Schlüssel, Probleme enthalten die nur ein Deutscher erkennen konnte, und ein solcher mußte zudem auch noch, nicht nur – irgendwie, etwas davon wissen, mußte außerdem seine Sprache beherrschen. Der somit andere Codeschlüssel aber, nun er war demnach keineswegs ein unbewußter Fehler, wie es ein zufälliger Finder vielleicht angenommen hätte, nein beileibe nicht, nein nein das war er nicht, er war bewußtes Kalkül. Jo freute sich immer noch, ja, es war ihm gelungen Amerikas Strategen zu täuschen, er war wertvoll genug. 110 km von der großen Höhle die wahrlich dort in Oman auch Höhlenhaus genannt wurde entfernt, war vor Urzeiten, in diesem ewigen Al-Hajar-Gebirge, in dieser ewigen Gebirgskette, ein kleines unscheinbares Höhlenhaus entstanden, er hatte es wie schon erwähnt; lächelte er, entdeckt als er für die Saudis hier war.

Eine exakt vertikal verlaufende Mulde war da eigentlich nur entstanden, eine eigenartig ausschauende vertikal verlaufende Mulde, eine Einbuchtung also, die zudem seitlich in den Berg ging. Eine Mulde die etwa 10 m tief, wie eine Halbschale im Felsen aussah, dorthin waren letztendlich dann auch die Weiß’schen Koordinaten Richtungsweisend gewesen. Der vorderste, nein – der erste Buchstabe des Begriffes „Höhlenhaus“ also, der war es, der den beiden deutschen Männern sagte, kommt von der großen „Höhle“ her, zu welcher ihr natürlich aufbrechen müßt, weil man euch wahrscheinlich doch und trotz allem gut beobachtet, zu uns. Kommt nach „eu’rem vielleicht doch beobachteten Eintreffen“, nun jedoch zu der Stelle, an der wir, Josef und Barbara Weiß, auf euch warten. Kommt zu jener Stelle, die wahrscheinlich für die Amerikaner und auch für alle Jene die nicht wie ihr seid sind, unmöglich gesehen sein kann, kommt – zu jener Stelle also, die für „Außerdeutsche“ nicht erkennbar codiert benannt wurde. Sie liegt an jenem deutschen Begriff „höhlenhaus“, den die Amerikaner und andere nicht begreifen können. Ja, es hatte funktioniert, sie waren tatsächlich gekommen, diese beiden Männer, die als ein Teilkommando von 10 Mann in diesem Oman waren, die ansonsten um den smarten Oberstleutnant Hartmut Stiller herum, ihre Tugenden entfalten durften. Josef lächelte nun sehr hart, wiederum natürlich nur von Innen: Ich heiße Dreher, man nennt mich Wicho, in Wahrheit heiße ich aber Wienhold von vorne, das da ist Peter, Peter Wagner-Braun; mit dem Zeigefinger hatte Dreher auf den jungen Mann gewiesen. Es hatte keinem etwas getan: Wie geht es ihnen, was wollen sie von mir wissen? So ungefähr hatte Dreher sich bemerkbar gemacht. Josef sieht noch immer Barbis feines Gesicht, als Wicho sich vorgestellt hatte, sieht wie sie sehr zufrieden in den Augen wirkte, sieht wie sie das Wort ergriffen hatte, sieht sie mit Wicho Dreher palavern, dann sieht er sich: Wagner-Braun heißen sie also; fragte er ihn flüsternd, und sie wissen auch wieder was sie dieses Mal mitgebracht haben; Peter war schon ein ordentlicher junger Mann, man fühlte sein Pflichtbewußtsein, konnte seine integere Reife erkennen, ja! -sagte er schlicht, ich weiß genau was ich ihnen mitgebracht habe, sie bekommen von mir die genauen Daten zu Bahrain.

Den Weg und den Tag.

Den Hubschrauber müssen sie ja nun nicht mehr „klauen“, der Pilot ist nicht von ungefähr krank geworden. Wir hatten das schon in Deutschland geplant. Wußten, er wird, Stunden nur, nachdem er ihnen die Maschine erklärt hat, einen starken Schnupfen haben. Wird lange damit bettlägerig sein! Jo grinste echt und offen, erinnerte sich gern‘, wußte sofort, hier wird noch Erinnerung kommen, wenn der Fall beendet ist, so sehr jedenfalls, ist „Al-Hajar“ wichtig gewesen, der Pilot allerdings, der war nur ein Feigling, ihm machte der Schnupfen bald nichts mehr aus, jedoch war er froh darum, daß Jo die BO so sehr oft, doch alleine fliegen mochte. Wieder sah Josef sich außerdem bei diesen Gedanken um, erneut aber sah er nichts, nichts was ihn betroffen hätte, außer natürlich, daß er erneut die dunkelhaarige portugiesisch wirkende Frau, die noch immer neben ihm saß, ansehen konnte. Josi wußte allerdings nicht daß diese Frau in Wahrheit eine Brasilianerin war, es hätte vielleicht etwas genutzt. Er dachte sich jedoch nichts Weiteres bei seinen „erkennungsdienstlichen“ Gefühlen, bezogen auf diese Frau dazu, nein, er war für einen Moment abgelenkt von der Ähnlichkeit zweier Akte seiner Vorgehensweisen in diesem Konflikt. Da hatte er doch, zumal weil er hier in Tunis im Flughafen saß, den Flughafen Tozeurs gemieden, da hatte er doch tatsächlich einen Flughafen vermieden, der nur einen Katzensprung entfernt, von ‚der Örtlichkeit‘ „Djerids“ also entfernt war, in der er bekanntlich immer noch, auch heute früh ganz aktuell noch, sein direktes Domizil hatte. Ja ja; so lenkte er sich etwas von den Bergen weg, da hatte er eine afrikanische Entfernung, die sozusagen, ein Salzkristall von einem Architekten – geworfen werden könnte, negiert, hatte sich weit weg von Tozeur, nach Tunis aufgemacht. Das aber hatte er auch darum getan, weil er hier in Tunis, unerkannt, und darum außerhalb der Reichweiten amerikanischer Technologien und Strategien, die von den Revolutionären verwandt wurden, sowie außerhalb der Reichweite womöglich, von immer noch absolut stark aktionsfähigem amerikanisch bradbury’schem Generalspersonal sein mußte. Er war in Sorge ohne Frage, wußte zur Zeit tatsächlich nicht mehr, wem er hier noch vertrauen durfte. Jedoch eins war ziemlich sicher, hier in Tunis, hier war er sicherer. Doch doch, er glaubte fest daran, hier in Tunis nicht akut befürchten zu müssen, daß er schier jede Sekunde von wem angegriffen werden könnte. Josef war in einer Phase des Aufatmens verfangen. Die dunkelhaarige Frau neben ihm, sah plötzlich auf, seltsam sah sie ihn an, sehr seltsam. Jupp Weiß aus Würselen bei Aachen in Deutschland aber, der bemerkte es nicht.

Seine Gedanken hingen friedlich zurück, hingen gerade an dem Punkt, an der Stelle, an der sie vorhin den kleinen deutschen Hubschrauber, doch schon ein bißchen mehr beschrieben hatten, mehr jedenfalls, als lediglich nur angedeutet. Seine ewige, topgeheime Auftragslage war also völlig klar; dachte er, er mußte, von Boris Michalski instruiert, dessen geheime Pläne gegen John Bradbury, in einer absolut ausgetüftelten Manier unterstützen. Die ewige Art und Weise, in der er vorzugehen hatte, sie war nach seiner eigenen intelligenten Einschätzung, so sehr klug, hatte so sehr hohes Gardemaß, daß er überzeugt davon war, tun zu müssen, was getan werden mußte. Er – Josef Weiß, er würde es jedenfalls tun. Michalski; mild, so lächelte er diesen Namen, war sehr gut informiert, er kannte offenbar den Zick-Zack-Kurs John Bradburys, kannte zudem den Zick-Zack-Kurs der Amerikaner, und er kannte in dieser mathematischen Gleichung der ewigen Exponentialen, auch diverse Unbekannte. Jupp hatte durchaus ein großes Maß an Vertrauen zu Boris Michalski, dem „kleinen Mann“, der allerdings ganz sicher in einer spezifischen Hinsicht, niemals in die Formatgrößenordnung eines John Bradbury eindringen würde können, der niemals nämlich, darum auch jemals, eine Chance gegen diesen Milliardär haben könnte, wenn es um Finanzen, um real viel konkurrierendes Geld ginge. Das war so, dennoch hatte er trotzdem deswegen kaum Bedenken, seine Hochachtung gegenüber Boris, gepaart mit wertvoller Sympathie für diesen Mann, war aus jahrelanger Verbundenheit, durch gemeinsame Gedanken und Bestrebungen, hinsichtlich der vielfachen Bemühungen gegen Sir John Bradbury entstanden. Sie wurde hier speziell und außerdem noch gestützt, aus ureigenen, dieser hohen Ansicht zu Michalski zuarbeitenden Erkenntnissen, die auch aus jenen Erfahrungen kommen wollten, welche er selbst anläßlich seiner durchaus wichtigen Wasserarbeiten unter diversen brandt’schen Bauaufträgen, in Saudi Arabien zumal, schon hatte sammeln können. Etwa um mit dem ‚Oberleutnant Dreher und dessen Männer‘, eine militär- und terrorpolitische Basis zu schaffen, die in der Welt ihresgleichen sucht. Zumal sie eine tolerante, demokratische und deutsche Sicht präjudizieren mochte. Josef lachte breit, über sein ganzes Gesicht, er war froh sich noch einmal, wenn vorerst auch nur ganz kurz, dieser leidigen Sache um jene 10 deutschen Gastkämpfer angenommen zu haben. Da waren aber auch schon weit im Vorfeld der Krise um Oman Geschehnisse, zu verantworten; dachte Josi schnell, die schon wegen John Bradbury alleine, einer, die Menschen des Planeten Erde schützenden Absicherung bedurft hatten. Er selbst war schließlich auch darum sehr zufrieden, weil er selbst, aktiv auch daran mitgewirkt hatte. Das, nicht zuletzt bedingt; lächelte er, wegen seinemspan style=“color: #000000;“ er guten Fähigkeiten im Bereiche des Codierens von Botschaften, die in diesem Falle, anders als sie selbst denkende Amerikaner abgehalten haben Fehler zu begehen, die sich gegen den Menschen gerichtet hätten wären sie zur Entfaltung gekommen, noch zusätzlich den Effekt gezeitigt hatten – Basissicherheiten gegen J. B., nach sich zu ziehen. Josef fühlte einen inneren Zwang, eine Unruhe, da; so glaubte er schier unbewußt, ist etwas nicht wie es sein muß, zögernd riß er sich aus seinen Gedanken, schnell sah er – nun plötzlich, die ‚Portugiesin‘ an, und er staunte mit einem Male ganz enorm. Seine chronologen Gedanken brachen zusammen. Josef ruckte entsetzt hoch. Seine federnde Sprungkraft riß die Bank aus Holz beinahe mit, riß sie fast in die Höhe.

Was war passiert?

Sehr viel später noch; so wußte er scheu zu denken, kam ihm bei den Gedanken an diese Episode der Schweiß auf die Stirne. Was ihn jedoch so sehr entsetzt hatte, das war das Geschehen aller bisherigen Geschehen seines jungen Lebens, niemals zuvor hatte Josef solche Tücke erlebt: Seitlich, halb in seinem Rücken, neben ihm also auf dieser gediegen wirkenden Bank aus Holz, die schwarze Portugiesin …? -sie wollte ihm ans Leder.

Unbemerkt jedoch von ihnen beiden, waren, offenbar seit Minuten schon, zwei tunesische Sicherheitsleute herangekommen, ohne daß er, und irgendwie wohl auch sie, begreifen konnte, was in dem jetzt entstehenden Chaos oder Tohuwabohu eigentlich los war? Blitzschnell hatten die beiden, mit schweren Pistolen bewaffneten „Gendarme“, diese, nicht nur in ihren Augen sehr arge Frau ergriffen, hatten sie gefesselt. Jene hübsche Frau zumal, die ganz kurz zuvor nur, ein seltsames, auch ekelhaftes, lang behaartes, zum Sprung‘ bereites, ca. 10 cm körpergroßes – Tier, aus ihrer Handtasche herausgeholt hatte, und zwar in der offensichtlich üblen Absicht, es ihm, Josef Weiß aus W…, …! -in den deutschen Nacken springen zu lassen, ja -! So war er baff. Tatsächlich, das wollte jene Frau tun, jene Frau, die doch so lieb und ruhig, einige Minuten lang still und lediglich schauend bloß, direkt neben ihm gesessen war. Josef staunte gewaltig, das war wirklich ein äußerst unangenehmer Moment. Bruchteile von Sekunden nur waren weg, seit seinem Warngefühl; Ja doch; so dachte er später, kaum mehr Zeit konnte hier verflossen sein, rasche Augenblicke nur, waren gerade erst vergangen, waren eigentlich noch gar nicht zu Ende geblinzelt, als der vorderste der beiden tunesischen S-Männer, auch schon behende zumal, ein großes, buntes Seidentuch, mit den Händen wirbelnd, beinahe sogar sogestalt geschwungen wie man etwa ein Lasso schwingen mag, über das Tier ausgebreitet hatte.

© Copyright – Bernhard Malinkewitz

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